Schadstofferkundung vor Umbau und Sanierung

Zuletzt aktualisiert am 29.10.2026

Wenn bei einem Umbau der alte Bodenbelag entfernt oder eine Wand für neue Leitungen geöffnet wird, kommen oft Materialien zum Vorschein, mit denen niemand gerechnet hat. Ein schwarzer Kleber ist noch kein Nachweis für PAK, und eine unauffällige Spachtelmasse ist noch kein Nachweis für Asbestfreiheit. Wird das erst auf der Baustelle geklärt, müssen Arbeiten unter Umständen unterbrochen, Schutzmaßnahmen nachgeplant und Abfälle anders entsorgt werden. Eine rechtzeitige Schadstofferkundung kann solche Überraschungen verringern.

Untersuchen, was tatsächlich bearbeitet wird

Ausgangspunkt ist nicht eine möglichst lange Liste aller denkbaren Schadstoffe, sondern die geplante Maßnahme: Welche Böden werden aufgenommen, welche Wände durchbohrt, welche Dach- oder Fassadenteile verändert? Baupläne, frühere Rechnungen und Angaben zu Umbauten helfen bei der Einordnung. Danach sehen wir uns die betroffenen Bauteile vor Ort an und entscheiden, wo eine Materialprobe sinnvoll ist. Bei einer begrenzten Maßnahme ist eine gezielte Untersuchung der Eingriffsbereiche häufig wirtschaftlicher als eine Beprobung des ganzen Gebäudes.

Gerade bei Asbest ist das Baualter ein wichtiger erster Hinweis. In Gebäuden, mit deren Errichtung vor dem 31. Oktober 1993 begonnen wurde, muss nach Angaben der BAuA mit asbesthaltigen Bauprodukten gerechnet werden. Das gilt auch für ältere Häuser, die später umgebaut wurden. Asbest steckt nicht nur in Faserzementplatten, sondern unter anderem auch in Putzen, Spachtelmassen, Fliesenklebern und Bodenbelägen. Ein unbeschädigtes, fest gebundenes Produkt ist anders zu beurteilen als dasselbe Material beim Bohren, Schleifen oder Abbruch. Mehr dazu auf unserer Seite Asbest und künstliche Mineralfasern.

Auch andere Stoffe können die Planung verändern

Je nach Bauzeit und Konstruktion kommen weitere Belastungen in Betracht: PCB beispielsweise in älteren Fugendichtmassen, PAK in teerhaltigen Klebern oder Abdichtungen und Biozide in behandelten Hölzern. Bei älteren Fertighäusern sind zudem die verwendeten Holzwerkstoffe und Holzschutzmittel wichtig. Nicht jeder Verdacht verlangt dieselbe Untersuchung: Für die Frage, was beim Rückbau anfällt, werden vor allem die betreffenden Materialien untersucht; bei einer möglichen Belastung der Bewohner kann zusätzlich eine Untersuchung der Innenraumluft oder des Staubs erforderlich sein.

Auch eine energetische Sanierung sollte vorhandene Schadstoffquellen nicht einfach verdecken. Die Kommission Innenraumlufthygiene am Umweltbundesamt weist darauf hin, dass insbesondere PCB- oder PAK-belastete Bauteile weiterhin innenraumhygienisch relevant sein können und eine Überdeckung spätere Sanierungen erheblich erschwert.

Was eine Probe leisten kann – und was nicht

Eine Laboranalyse beantwortet zunächst nur die Frage nach der untersuchten Probe. Ob sie für eine ganze Fläche oder weitere Räume steht, hängt davon ab, wie das Material eingebaut wurde und wo die Proben entnommen wurden. Einzelne negative Befunde sind daher kein allgemeines „Schadstofffrei-Zertifikat“. Umgekehrt bedeutet ein Schadstoffnachweis nicht automatisch, dass die bisherige Nutzung des Raumes gefährlich war. Entscheidend ist, ob und wie Stoffe freigesetzt werden können – im bewohnten Zustand ebenso wie bei den geplanten Arbeiten.

Die Erkundung sollte so früh vorliegen, dass Ergebnisse in Ausschreibung, Terminplanung und Ausführung einfließen können. Bei Asbest muss der Veranlasser der Arbeiten den ausführenden Unternehmen die verfügbaren Informationen zur Verfügung stellen; diese legen auf Grundlage ihrer Gefährdungsbeurteilung die erforderlichen Arbeits- und Schutzverfahren fest. Auch Abschottung, Schutz der Bewohner und getrennte Entsorgung belasteter Materialien lassen sich dann rechtzeitig planen. Verdächtige Baustoffe sollten nicht probeweise selbst abgeschliffen oder herausgebrochen werden. Bei unklaren Funden während der Arbeiten ist es sinnvoll, den betroffenen Arbeitsschritt anzuhalten und den Befund fachlich zu klären.

Unsere Vorgehensweise

Wir verbinden die bauliche Bestandsaufnahme mit einer auf die geplanten Eingriffe zugeschnittenen Probenahme. Die Laborergebnisse bewerten wir nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Baualter, Nutzung, Konstruktion und vorgesehenem Arbeitsverfahren. So wird aus einzelnen Befunden eine belastbare Grundlage für Planung und Sanierung – ohne unnötig ganze Gebäude auf Verdacht zu untersuchen.

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