Typische Innenraumschadstoffe in älteren Fertighäusern

Zuletzt aktualisiert am 23.10.2026

Ein älteres Fertighaus ist nicht automatisch schadstoffbelastet. Bestimmte Bauweisen der 1960er- bis 1980er-Jahre weisen jedoch wiederkehrende Kombinationen aus Formaldehyd, Holzschutzmitteln und geruchsintensiven Chloranisolen auf. Eine belastbare Beurteilung braucht deshalb mehr als eine einzelne Raumluftprobe.

Formaldehyd aus Holzwerkstoffen

Viele Fertighäuser wurden mit großflächigen Span- und Holzwerkstoffplatten errichtet. Ältere Harnstoff-Formaldehyd-Harze können auch nach Jahrzehnten Formaldehyd abgeben. Wärme, Luftfeuchte und geringer Luftwechsel beeinflussen die Konzentration. Der aktuelle AIR-Richtwert liegt bei 100 µg/m³ und soll auch kurzfristig nicht überschritten werden.

Holzschutzmittel in der Konstruktion

Hölzer wurden teilweise mit PCP, Lindan oder anderen Bioziden behandelt. Die schwerflüchtigen Stoffe können in behandelten Bauteilen, Hausstaub und angrenzenden Materialien verbleiben. Ob eine relevante Exposition vorliegt, wird je nach Fragestellung mit Material-, Staub- und Raumluftproben untersucht.

Warum riechen manche Häuser muffig?

Der charakteristische „Fertighausgeruch“ wird häufig durch Chloranisole verursacht. Sie können entstehen, wenn Mikroorganismen chlorierte Phenole aus früheren Holzschutzmitteln oder anderen Quellen umwandeln. Chloranisole besitzen sehr niedrige Geruchsschwellen: Ein intensiver muffig-süßlicher Geruch kann deshalb schon bei sehr kleinen Stoffmengen auftreten.

Geruchsbelästigung und Gesundheitsbewertung sind zu trennen. Ein starker Geruch beweist weder eine akute Gesundheitsgefahr noch identifiziert er allein die Quelle. Umgekehrt kann Formaldehyd relevant sein, auch wenn Bewohner keinen eindeutigen Geruch wahrnehmen.

Ein sinnvolles Untersuchungskonzept

  1. Gebäudeanamnese: Baujahr, Hersteller, Bauteilaufbauten, Umbauten und frühere Sanierungen.
  2. Ortsbegehung: Geruchseindruck, Luftwechsel, Feuchteschäden und mögliche Quellbereiche.
  3. Gezielte Messungen: Raumluft auf Formaldehyd und Chloranisole, gegebenenfalls Holzschutzmittel; Material- oder Staubproben dort, wo sie die Fragestellung besser beantworten.
  4. Quellensuche: Vergleich von Raumluft, Hohlräumen und Materialien, bevor eine Sanierung geplant wird.

Sanierungsmöglichkeiten

Je nach Quelle kommen der Ausbau belasteter Beplankungen, eine nachweislich dichte Kapselung, die Reinigung sekundär belasteter Flächen oder ein Lüftungskonzept infrage. Bei Chloranisolen ist zu beachten, dass Gerüche trotz sinkender Schadstoffkonzentrationen hartnäckig bleiben können. Eine Pauschalsanierung ohne Quellennachweis verursacht hohe Kosten und kann am eigentlichen Problem vorbeigehen.

Das Umweltbundesamt beschreibt in einem Forschungsbericht einen Fertighausfall, bei dem Formaldehyd den Innenwandplatten und Chloranisole vor allem Außenwandhohlräumen zugeordnet wurden. Dieses Beispiel zeigt, warum unterschiedliche Stoffe unterschiedliche Quellen und Sanierungswege haben können.

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