Biozide in Wohngebäuden

Zuletzt aktualisiert am 23.10.2026

Biozide sollen Organismen bekämpfen oder fernhalten. In Wohngebäuden begegnen uns sowohl historische Belastungen durch Holzschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel als auch aktuelle Anwendungen. Entscheidend ist nicht allein der Stoffname, sondern ob eine relevante Quelle vorhanden ist und über welchen Weg Menschen exponiert werden.

Wo kommen Biozide im Gebäude vor?

Typische Einsatzbereiche sind Holzschutz, Schädlingsbekämpfung, Teppich- und Mottenschutz, Fassaden- und Anstrichschutz sowie Desinfektion. Manche Wirkstoffe sind heute nicht mehr zugelassen, können aber in alten Bauteilen und im Hausstaub noch lange nachweisbar sein. Biozide sind nicht mit Pflanzenschutzmitteln gleichzusetzen, auch wenn einzelne Wirkstoffe in beiden Bereichen verwendet wurden.

Wirkstoffgruppe/Beispiele Typische frühere oder heutige Anwendung
PCP (Pentachlorphenol) Historische Holzschutzmittel; in Deutschland seit 1989 verboten
Lindan (γ-HCH) Historischer Holz- und Insektenschutz, häufig zusammen mit PCP
DDT Historischer Insektenschutz; in Gebäuden der ehemaligen DDR teils noch relevant
Pyrethroide, z. B. Permethrin, Cypermethrin, Deltamethrin Insektizide, Mottenschutz, Teppich- und Schädlingsbehandlung
Organophosphate, z. B. Chlorpyrifos Ältere Schädlingsbekämpfungsmittel
Isothiazolinone Topfkonservierer in Farben, Lacken und Reinigungsprodukten; mögliche Kontaktallergene
Quartäre Ammoniumverbindungen Desinfektions- und Reinigungsmittel, antimikrobielle Ausrüstung

Warum bleiben Altlasten lange bestehen?

Viele ältere Holzschutzmittel und Insektizide sind schwerflüchtig und chemisch stabil. Sie lagern sich an Staub und Oberflächen an und können aus behandelten Hölzern oder Textilien immer wieder nachgeliefert werden. Deshalb ist eine reine Raumluftmessung nicht in jedem Fall das beste Verfahren. Je nach Fragestellung können Material-, Hausstaub- oder Oberflächenproben aussagekräftiger sein.

Bei PCP-haltigen Holzschutzmitteln können zusätzlich geruchsintensive Chloranisole entstehen. Ein typischer muffig-süßlicher Geruch ist jedoch kein sicherer Nachweis und erlaubt keine gesundheitliche Bewertung.

Gesundheitliche Einordnung

Die Wirkungen unterscheiden sich stark. Manche Stoffe können Haut und Schleimhäute reizen oder sensibilisieren, andere wirken auf das Nervensystem, die Leber oder den Hormonhaushalt. Für PCP nennt der AIR einen Richtwert I von 0,10 µg/m³ und einen Richtwert II von 1,0 µg/m³ in der Innenraumluft. Für viele andere Biozide gibt es keine bundesweit verbindlichen Wohnraumrichtwerte.

Laborwerte aus Staub oder Material müssen mit Probenahme, Staubalter, Quellenlage und Nutzung zusammen bewertet werden. Statistische Hintergrund- oder Orientierungswerte sind keine toxikologischen Grenzwerte.

Untersuchung und Sanierung

  • Zuerst werden Baualter, behandelte Bauteile, frühere Schädlingsbekämpfungen und mögliche Produkte ermittelt.
  • Das Probenahmeverfahren wird an Stoffeigenschaft und vermutete Quelle angepasst.
  • Vor Schleif-, Fräs- oder Abbrucharbeiten ist eine Gefährdungsbeurteilung wichtig, weil belasteter Staub freigesetzt werden kann.
  • Eine Sanierung kann den Ausbau belasteter Materialien, fachgerechte Oberflächenabnahme, Reinigung oder eine nachgewiesene Kapselung umfassen.
  • Ozon oder unspezifische Vernebelungen beseitigen eine gebundene Quelle nicht und können zusätzliche Reaktionsprodukte erzeugen.

Bei aktuellen Biozidprodukten empfiehlt das Umweltbundesamt, Anwendungen möglichst zu vermeiden und zunächst nicht-chemische Alternativen zu prüfen.

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