Spätestens seit der Klimakonferenz
von Rio de Janeiro 1992 ist die Reduktion des Klimakillers
CO2 in aller Munde. Die jüngsten Klimaereignisse zeigen,
dass wir den eingeschlagenen Weg noch deutlich konsequenter
gehen müssen. Ca. 40% (2002: 171 Mio. t SKE = 1392 TWh
= 315 Mio. t CO2) der in Deutschland verbrauchten Endenergie
wird für Heizung und Warmwasser verbraucht. Mit einfachen
Mitteln wären Einsparungen von gut 50% zu erzielen, die
neben der Umwelt auch die Geldbeutel der Verbraucher deutlich
entlasten würde. Die aktuelle Energieeinsparverordnung
(EnEV 2009) ist ein guter Schritt in diese Richtung.
Lassen Sie sich von uns beraten!
Schon in der ersten Planungsphase werden
die Weichen für energieeffizentes Bauen gestellt, da
Gebäudeform und Ausrichtung mehr als viele andere Maßnahmen
den Energieverbrauch beeinflussen.
Die Energieeinsparverordnung setzt mit Höchstwerten
beim Primärenergieverbrauch gesetzliche Rahmenbedingungen,
staatliche Förderprogramme machen zusätzliche Einsparungen
auch wirtschaftlich interessant.
Die EnEV macht im Neubau das
7-Liter-Haus (Niedrigenergiehaus) zum Standard, erhöht
die Anforderungen bei wesentlichen Änderungen im Gebäudebestand
und forciert den Austausch veralteter Heizkessel. Die Einführung
eines Energieausweises schaffte Marktransparenz. Von der Erschließung
der enormen Energieeinsparpotentiale profitieren alle Beteiligten,
eine Erhöhung des Wohnkomforts ist inbegriffen. Bei unsanierten
Altbauten liegt der durchschnittliche Energieverbrauch bei
200 - 300 kWh/m²a, was einem Heizölverbrauch von 20 -
30 Litern pro Jahr und Quadratmeter entspricht. Moderne Passivhäuser
haben nur noch einen Verbrauch von 1,5 Litern.
Die EnEV führt als Messlatte den Primärenergieverbrauch
ein und legt Höchstwerte in Abhängigkeit von der Gebäudegeometrie fest. Wie diese Werte erreicht werden, bleibt
dem Bauherrn weitgehend selbst
überlassen. Eine optimierte Haustechnik und gute Dämmwerte
tragen hierzu bei. Höhere Investitionen in die Dämmung
reduzieren die Anforderung an die Haustechnik und umgekehrt.
Mit einer kompakten Gebäudeform und guter Dämmung
lässt sich am wirtschaftlichsten sparen.
Zinsgünstige Kredite durch die Kreditanstalt für
Wiederaufbau werden vergeben für Gebäude, die weniger
als 6 bzw. 4 Liter pro qm verbrauchen und für energetische
Sanierungen. Häufig gibt es zusätzliche lokale Förderprogramme.
Gebäudeform und Ausrichtung
Je weniger Außenfläche für
Wärmeverluste zur Verfügung steht, desto eher kann
man auf andere meist deutlich aufwändigere Maßnahmen
verzichten. Freistehende Einfamilienhäuser haben schlechtere
Werte als Reihen- und Mehrfamilienhäuser, v.a. wenn sie
mit zahlreichen Vor- und Rücksprüngen versehen sind.
Eine Ausrichtung mit Fensterflächen nach Süden führt
zu Wärmegewinnen, die die Energiebilanz verbessern.
Dämmung von Gebäuden
Gute Dämmung führt zu warmen
Wänden, erhöhter Behaglichkeit und geringen Heizkosten.
Auch Bauschäden werden so vermieden. Ein U-Wert von 0,3
W/m²K sollte heute nur noch bei den Fenstern überschritten
werden. Fenster können heute mit einem U-Wert von 0,5
gefertigt werden, ein Wert von 1,1 ist Standard.
Die EnEV fordert eine Berücksichtigung von Wärmebrücken,
geometrischen Schwachstellen der Außenhülle wie
z.B. Außenecken. Ihnen muss bei der Planung besondere
Aufmerksamkeit gewidmet werden. Wärmebrücken können
für bis zu 30% der Wärmeverluste verantwortlich
sein. Im Bestand kommt man Ihnen mit Wärmebildfotografien (Thermografie)
auf die Spur.
Luftdichtheit von Gebäuden
Je höher der Dämmstandard,
desto wichtiger ist, dass Wärme nicht durch Fugen entweicht
und so neben hohen Energieverlusten auch Bauschäden entstehen.
Eine Fuge von 1mm x 1m erhöht den U-Wert einer 1m² großen
Wandfläche bei mittlerem Wind von 0,3 auf 1,4. Die EnEV
berücksichtigt die Gebäudedichtheit, bei dem der
unfreiwillige Luftwechsel pro Stunde gemessen wird (Nachweis mit
Blower-Door-Test). Energiesparende
Gebäude haben eine Luftwechselzahl < 0,6.
Aus hygienischen Gründen kann der Luftwechsel nicht beliebig
reduziert werden, da wir auf frische Atemluft angewiesen sind
und ein Abtransport von Schadstoffen und Feuchtigkeit gewährleistet
bleiben muß. Ansonsten droht schnell die Gefahr von Schimmel. 30m³ Frischluftzufuhr sind pro Person und
Stunde mind. erforderlich. Im Winter ist deshalb ein Mindestluftwechsel von 0,3 pro Wohnung einzuhalten, bei warmer Witterung mehr. Lesen Sie hierzu auch unsere Ausführungen über richtiges Lüften.
Ausreichende Lufthygiene und geringe Energieverluste ermöglichen
Lüftungsanlagen, die für energiesparende Gebäude
zum Standard geworden sind. Neben reinen Abluftanlagen gibt
es Anlagen mit Wärmerückgewinnung, durch die Lüftungswärmeverluste
um 90% reduziert werden können. Ergebnisse von Schadstoffuntersuchungen
zeigen, dass die Raumluftqualität in Wohngebäuden
mit Lüftungsanlagen deutlich günstiger ist als in
Wohngebäuden mit Fensterlüftung. Durch den Einbau
von Filtern können Staub, Pollen und weitere Allergene
in der Raumluft reduziert werden.
Heizungssysteme - Öl, Gas, Holz und andere Brennstoffe
Die Wahl des Heizsystems beeinflusst
den Primärenergieverbrauch stark. Bei besonders
hohem Dämmstandard (Passivhaus) reicht es aus, die Luft
nur über die Lüftungsanlage zu erwärmen. Ab
einem Heizenergieverbrauch von ca. 1 Liter / m²a wird eine
eigene Heizanlage sinnvoll, die bei neuen Gebäuden mit
Heizleistungen von 1 bis 5 kW auskommt. Als Energieträger
kommen Gas und Öl, aber auch - förderfähige
- nachwachsende Rohstoffe (z.B. Holzpellets) zum Einsatz.
Gas verbrennt sehr sauber, nachwachsende Rohstoffe haben den
Vorteil, nicht zur Erwärmung unserer Atmosphäre
beizutragen. Strom sollte nicht zum Einsatz kommen, da für
seine Herstellung die dreifache Energiemenge benötigt
wird.
Niedrige Heizflächentemperaturen verbessern den Wirkungsgrad
aller Anlagen, Temperaturen über 55° C sollten auch
aus hygienischen Gründen (Pyrolysereaktionen bei Staub
und anderen Schadstoffen) vermieden werden.
Die weit verbreiteten Niedertemperaturkessel verwerten die
eingesetzte Energie um etwa 20% besser als veraltete Standard-
oder Konstanttemperaturkessel. Brennwertkessel nutzen den eingesetzten Brennstoff nochmals
ca. 9% besser, in dem sie die Kondensationswärme des
Abgases nutzen. Die etwas höheren Anschaffungskosten
machen sich durch die Energieeinsparung schnell bezahlt.
Wärmepumpen holen Wärme z.B. aus Boden oder Grundwasser.
Der Primärenergieverbrauch liegt ca. 30% unter dem von
Niedertemperaturkesseln. Gasbetriebene Wärmepumpen haben einen nochmals deutlich reduzierten Primärenergieverbrauch.
Durch die verbesserte Anordnung von Heizung und Wärmeverteilung
werden Wärmeverluste reduziert. Moderne Heizkessel können
in der beheizten Wohnung stehen, Heizleitungen im Inneren
des Gebäudes verlaufen.
Effizienter als die herkömmliche Erzeugung von Strom
und Wärme in Kraftwerken und Heizanlagen ist die Kraft-Wärme-Kopplung
in Blockheizkraftwerken. Die bei der Herstellung von Strom
anfallende Wärme wird dabei zum Heizen der angeschlossenen
Gebäude verwendet, wodurch sich der Primärenergieaufwand
erheblich reduziert.
Seit 2009 gilt das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, nach dem Hausbesitzer bei Neubauten zumindest einen Teil ihrer Wärme über Erneuerbare Energien abdecken oder überdurchschnittlich dämmen müssen. Bei Einsatz einer Solaranlage muss mindestens 15%, bei Einsatz einer Biomasseheizung oder Wärmepumpe müssen mindestens 50% des Gesamtwärmebedarfs über diesen Energieträger gedeckt werden. Alternativ ist auch der Anschluss des Gebäudes an ein Nah- oder Fernwärmenetz aus Kraft-Wärme-Kopplung möglich. Ohne Einsatz dieser Energieträger muss bei Neubauten der Energiebedarf mindestens 15% unter den gesetzlichen Anforderungen liegen
Solarenergie
Im Sommer läuft die Heizungsanlage
oft nur zur Warmwasserbereitung. Bei Einsatz einer Solaranlage
kann die Heizung meist abgeschaltet werden, da sie im Sommer
normalerweise ausreichend Warmwasser produziert. Größere
Anlagen können auch im Winter zur Raumheizung beitragen.
Solarthermische Anlagen zur Warmwasserbereitung reduzieren
in Verbindung mit einem Brennwertkessel den Primärenergiebedarf
um etwa 28% gegenüber einem Niedertemperaturkessel und
können gefördert werden.
Die Sonnenenergie wird von Kollektoren eingefangen und über
einen Flüssigkeitskreislauf der Heizanlage zugeführt.
Mit kostengünstigen Flachkollektoren lassen sich im Jahr
ca. 400 kWh pro qm Kollektorfläche erzielen, mit Vakuum-Röhrenkollektoren
etwa 500 kWh. Neben der Trinkwassererwärmung kann die
Solaranlage auch die Heizung unterstützen, was jedoch
bei gut gedämmten Gebäuden, die nur in sehr kalten
Zeiten beheizt werden müssen, aufgrund des dann geringen
Solarangebotes nur bei Heizsystemen mit sehr niedrigem Temperaturniveau
wirtschaftlich ist; die Sonneneinstrahlung über die Fenster
ist hier wichtiger.
Für eine gute Ausnutzung der Sonnenenergie ist der Einsatz
eines Schichtenspeichers sinnvoll. Er unterscheidet sich vom
Standardspeicher durch die Art der Wärmeladung. Über
physikalisch wirkende Schichtungssysteme wird die Wärme
in der passenden Wärmeschichtungsebene des Speichers
eingebracht. Die Solarwärme steht dann auch bei kurzzeitiger
Sonnenstrahlung zur Verfügung, in dem sie weiter oben
in den Speicher geladen wird.
Stromverbrauch, Photovoltaik
Bei sinkendem Wärmeenergieverbrauch
wird der Stromverbrauch immer relevanter. Jede vermiedene
Kilowattstunde spart 10-20 Cent und ca. 650g Kohlendioxid.
Der Einsatz von möglichst wenigen, aber energiesparenden
Geräten sollte in jedem Haus selbstverständlich
werden. Dies gilt auch für die Haustechnik, die durch
aufwändige Regelungen schnell die Energie, die zur Beheizung
eines Passivhauses nötig ist, verbrauchen kann.
Photovoltaik, die durch den Staat gefördert wird, schafft
regenerativen Strom. Pro m² Solarzelle können ca. 80
kWh pro Jahr erzielt werden, der Strompreis liegt bei ca.
40 Cent / kWh.
Altbauten, Altbausanierung
Bei wesentlichen Änderungen am Bestand
und auch bei alten Heizanlagen greift die EnEV. Wesentliche
Änderungen sind Veränderungen von mehr als 10% eines Bauteiltyps (z.B. mehr als 10% der Außenwandfläche) oder Erweiterungen von mehr als 15m³ Nutzfläche.
Wahlweise können entweder feste Grenzwerte bei den zu sanierenden Bauteilen eingehalten werden oder die Grenzwerte der EnEV für das Gesamtgebäude um max. 40% überschritten werden. Heizanlagen von vor 1978 mussten bis zum 31.12.2006 bzw. 31.12.2008 erneuert werden, ungedämmte oberste Geschossdecken müssen bis zum 31.12.2011 gedämmt werden; bei selbst genutzten Wohngebäuden
mit max. zwei Wohnungen gelten diese Vorgaben nur bei Eigentümerwechsel. Außerdem müssen Zentralheizungen über eine witterungsgeführte Regelung und Einzelraumthermostate verfügen.
Wirtschaftlichkeit von Energiesparmaßnahmen
Darüber, dass sich Energiesparmaßnahmen
volkswirtschaftlich rechnen, besteht kein Zweifel. Energiesparen
ist aktiver Umwelt- und Klimaschutz. Aber auch privatwirtschaftlich
lohnen sich viele Maßnahmen, vor allem wenn man die
steigenden Energiepreise in Rechnung stellt und Fördermöglichkeiten
nutzt.
Zu unterscheiden sind der Energieverbrauch für die Herstellung
und der für den Betrieb des Gebäudes. Bei der Herstellung
schneiden Holzbauten deutlich günstiger als Massivbauten
ab, insbesondere bei Verwendung von Dämmstoffen
aus nachwachsenden Rohstoffen. Durch die Speicherung von
Kohlendioxid im Holz wird das Klima zusätzlich entlastet.
Da Holzbauten mit gutem Wärmeschutz nicht teurer sein
müssen als Massivbauten, ist ihnen aus diesem Grund der
Vorzug zu geben. Maßnahmen zur Erreichung eines hohen
Wärmeschutzes (Passivhausstandard) führen zu ca.
10 % mehr Primärenergieeinsatz, der aber in wenigen Monaten
eingespart werden kann.
Die Betriebsenergie überwiegt die Herstellungsenergie
bei weitem. Im Vergleich zum Altbaubestand mit Verbräuchen
von 200 kWh/m²a und mehr können bei einem Passivhaus mit 15
kWh Verbrauch Einsparungen von gut € 1.100 / Jahr erreicht
werden. Aber auch gegenüber einem Gebäude nach EnEV
sind Einsparungen von € 350 / Jahr möglich.
Durch gute Planung können die Betriebs- und Finanzierungskosten
eines Passivhauses auch heute schon unter den Kosten eines
durchschnittlichen Gebäudes nach EnEV liegen.
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